Die Lage am Morgen: Trägt er eine, trägt er keine?

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Dort wird er an der Karls-Universität eine Rede halten, eine »europapolitische Standortbestimmung« vornehmen, so hat es sein Regierungssprecher ausgedrückt. Außerdem trifft Scholz den tschechischen Ministerpräsidenten Petr Fiala. Es gibt wichtige Themen, über die sie sprechen könnten: den Zusammenhalt der Europäer in Zeiten von Krieg und Gaskrise, die Sicherheit der Nato-Ostflanke. Wie lange der Krieg wohl noch dauern wird und die Ukraine stärker unterstützt werden kann. Die erste Frage allerdings, die sich viele in Berlin stellen dürften, ist ein bisschen banaler: Fliegt er nun mit oder ohne Maske?

Sie erinnern sich, in der vergangenen Woche gab es erst in Twitter-Deutschland und dann auch im real existierenden Rest der Republik etwas Aufregung, weil Scholz und sein Vizekanzler Robert Habeck ohne Maske nach Kanada geflogen waren. Der Rest der Passagiere im Regierungsjet trug ebenfalls keinen Mund-Nasen-Schutz. Ich auch nicht.

Jetzt ist es raus: Ich war dabei, saß als Journalist in der Maschine, ohne Maske, acht Stunden lang. Ich bin nicht stolz darauf, habe bei der ganzen Sache aber auch eine wichtige Lektion gelernt, die mit Masken nichts zu tun hat. Sondern mit meinem Blick auf Politik.

Es war nämlich so, dass ich über die fehlende Maske überhaupt nicht nachgedacht habe, bis die Empörung aus Deutschland mit leichter Verzögerung mein Bewusstsein erreichte. Bis dahin war der Gedanke, dass es hier ein Problem geben könnte, in meinem Kopf überhaupt nicht aufgetaucht. In den Tagen danach habe ich öfter darüber nachgedacht, warum das so war. Zumal ich bis dahin immer ein eher gewissenhafter Maskenträger war.

Mir sind ein paar Ansätze eingefallen. Ich kam vergleichsweise frisch aus meinem Urlaub in Frankreich, wo weder im Flugzeug noch im Zug oder im Supermarkt noch nennenswert Maske getragen wurde. Das mag dazu beigetragen haben, dass ich die Situation nicht als ungewöhnlich wahrnahm. Außerdem, und auch darauf bin ich nicht stolz: Herdentrieb, so simpel. Weil keiner eine Maske trug, setzte ich auch keine auf. (Ich bin ganz froh, dass meine Kinder diese Kolumne nicht lesen, denen ich ständig erzähle, dass Dinge nicht deshalb richtig sind, weil andere sie tun.) Beides befriedigt mich selbst nicht so richtig, aber viel mehr habe ich nicht anzubieten. Daraus ergibt sich die Lektion, die ich gelernt habe.

Ich berichte seit über 15 Jahren über Politik und Politiker. In dieser Zeit habe ich in einer sicherlich dreistelligen Zahl von Redaktionskonferenzen und Kommentaren den Satz formuliert, dass dies oder jenes der Politikerin X oder dem Pressesprecher Y nicht hätte passieren dürfen – schließlich handele es sich um Kommunikationsprofis. Denen müsse doch bewusst sein, welches Signal von diesem Satz oder jener Handlung ausgehe. Ich war da oft ziemlich unerbittlich.

Was soll ich sagen? Es gibt viele Dinge, die ich nicht besonders gut kann, zum Beispiel Kopfrechnen oder Tiere zeichnen. Aber ich fürchte, Kommunikation kann ich, zumindest beruflich. Ich bin da Profi. Aber auch ich habe in der Situation, in der abgeschlossenen Blase der Regierungsmaschine, nicht gesehen, dass die Bilder aus dem Flugzeug ein Problem sein könnten.

Ich werde künftig wohl etwas weniger unerbittlich sein. Dafür ein bisschen demütiger. Vielleicht hat die Sache dann doch noch ihr Gutes.

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Eine Chance für die Chancenlosen

Janine Wissler, die Bundesvorsitzende der Linkspartei, habe ich 2008 kennengelernt. Damals war sie gerade in den hessischen Landtag eingezogen, mit 26 Jahren. Und sie löste, zumindest bei der Sorte journalistischer Kollegen, die mit Einstecktuch durch Wiesbaden spazierten, eine Art wohligen Grusel aus. Die Frau sei Trotzkistin, flüsterten solche Kollegen – da müsse man vorsichtig sein. Ich war nicht ganz so vorsichtig und habe mich mit Wissler getroffen. Gegruselt habe ich mich nicht, ich erlebte sie als misstrauisch, fand sie aber auch klug. Es war damals schon ziemlich klar, dass Wiesbaden für sie nicht die Endstation sein würde.

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